Ein Abend, bei dem es nur so qualmte

Habach  - Wahrscheinlich kann sie auch noch Rodeo reiten und Lasso werfen: Patricia Vonne aus Austin, Texas, aufgewachsen mit zehn Geschwistern im staubigen Süden der USA, macht mit ihrem Cowboyhut jedenfalls den Eindruck, als sitze sie auf vielen Sätteln sicher: Die junge Lady gastierte auf ihrer zweiwöchigen Deutschland-Tour am Mittwochabend mit ihrer Band im Habacher „Village” - und dieser Auftritt war, gelinde gesagt, Aufsehen erregend. Musikalisch ist die temperamentvolle Gitarristin, die eine sündteure „Gibson” von 1952 mit sich führt, irgendwo im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet anzusiedeln - zwischen spanischen Balladen, Texas-Country und handfestem, tanzbarem Rock‘n‘Roll. Und wenn‘s der Song hergibt, greift die grazile Sängerin auch noch zu den Castagnetten und überlässt ihrem vorzüglichen Lead-Gitarristen Robert Laroche derweil ihre „Gibson”. Schnörkellos und geradlinig kommt dieser Sound daher, kernig und eben nicht bloß country-dödelig: Wo andere ihres Fachs die bequeme Schiene fahren, biegt Patricia immer wieder von den eingefahrenen Wegen ab und lässt, wie zum Beispiel beim mitreißenden „Rebel Bride”, ihren aus Utrecht stammenden Bassisten Nico Heilijgers das Thema voll und saftig kosten. Wie gerne säße man jetzt am Steuer eines Pickup und würde Richtung Grenze sausen, 500 000 Dollar im Gepäck und Patricia mit ihren unwahrscheinlich grünen Augen auf dem Beifahrersitz! Miss Vonne aber würde vermutlich selber am Steuer sitzen wollen und mindestens Antonio Banderas neben sich, weil sie eben so „tough” wirkt und schon reichlich in der Welt herumgekommen sein dürfte. Und weil sie wohl auch die richtigen Leute kennt: Zwei CD‘s hat sie bereits herausgebracht, eine dritte ist in Vorbereitung, fast alles mit Eigenkompositionen.
Als Schwester des Filmemachers Roberto Rodriguez hat sie auch schon Filmmusik geschrieben für spanisch-mexikanisch geprägte Produktionen wie „Once upon a time in Mexico” mit Selma Hayek und  - genau!  - mit diesem Banderas, für den Patricia ja so schwärmt: Der hatte doch eine Gitarre, die er bei Bedarf in ein Maschinengewehr verwandeln konnte  war‘s nicht so? Genau das muss auch diese Band inklusive den stoisch-coolen Drummers Nicky Hustinx nachhaltig beeinflusst haben, so explosiv und schön unberechenbar kommt das alles in Habach über die Rampe. Miss Vonne ist einfach ein Südstaaten-Temperamentsbündel, wie es sich jeder Konzertveranstalter nur wünschen kann: Obwohl im „Village” schon lange vor dem 1. August Rauchverbot galt, war es ein texanischer Live-Abend, dass es nur so qualmte.          Thomas Lochte    

 Magnus Reitinger Redaktion "Weilheimer Tagblatt"  Redakteur Kultur/Kulturkompass

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